Anne Marie Carl-Nielsen
1905-06-01
Afsender
Max Kiessling
Modtager
Anne Marie Carl-Nielsen
Transskription
Wilmersdorf bei Berlin d. 1. Juni 1905.
Motzstr. 51
Verehrte, gnädige Frau, wüssten Sie, wie ganz seltsam ich’s empfand, so liebe herzliche Zeilen gerade aus der hellenischen Hauptstadt zu erhalten, von wo ich doch nichts als völlige Gleichgültigkeit oder bittere Abneigung u. Aufeinschung zu erwarten habe! So aber hat Ihr liebes Brief mir doppelte, innigste Freude gebracht u. gemacht, einmal weil Sie die Schreiberin sind, und zum anderen, weil er aus Athen kommt. Haben Sie vielen, vielen Dank und lassen Sie mich gleich hier die Bitte zufügen, dass Sie mir noch einmal eine freie Abenstunde opfern und, sei es auch nur Weniges, aus u. über Hellas schreiben.
Mag ich noch viele Bitterkeit u. herben Schmerz dort drunten erlitten haben, mein halbes Herz ist doch geblieben in der stillen Phidiasstrasse. Das habe ich recht gespürt, als mich Ihre lieben Zeilen überraschten und mit leiser Wehmut, Sehnsucht und fast mit Neid auf Sie erfüllten. Da ging mir’s weich und warm durch die Seele und ich empfand wie heisse, tiefe Liebe für dies Land ich mit mitheimgebracht habe. Und so fühle ich’s immer wieder, wenn ich in einer stillen Nacht in meinem Zimmer sitze und für den nächsten Tag einen Vortrag bedenke; unerträglich enge wird mir’s dann im Hause und neues unersättliches Thatendrang, heisse Wanderlust // machen mein Gesicht wie Feuer glühen. Ob mir es wohl dereinst gelingen wird, aus solchen starken, überwältigen Empfinden heraus ein Werk zu schaffen, das unwert sei der Stätten, wo freies Menschentum so herrliche, höchste Kunstblüten trieb, das wir Spätgeborenen uns ohne Ende daran berauschen und danach sehnen? Ich meine, dass was solche Liebe die notwendige Voraussetzung zu solchem Werke ist – nicht noch der Lampe riechende Gelehrsamkeit; Enthusiasmus muss die Feder führen und die kühle, nüchterne Gedanken u. Studierarbeit beflügeln; aber auch Liebe u. Begeisterung thun es nicht allein, wenn nicht strenge Selbstzucht alle Kräfte zusammenrafft. Und gerade das habe ich bis zu diesem Augenblick seit meiner Heimkehr noch nicht vermocht. Dort unten war ich frei und voller Kraft u. Energie, und in der frischen Luft u. Einsamkeit der Berge gab’s nichts, das ich nicht niederzwang. Hier aber in B. geht der Strom des Lebens so reissend u. brandend u. fast will’s dem Steueer nicht gelingen, seine Wirbeln zu entfliehen. Leidenschaften, menschliche, allzumenschliche fallen mit Ungestüme in das Segel, und ich ringe und ringe – ach, noch vergeblich – die stille, grüne Wiese am Ufer zu erreichen, wo ich sitzen und denken und schaffen könnte. Da sind Sie die Glücklichere u. Stärkere. Sie kennen nicht // bloss Ihr Ziel, Sie gehen auch voll Kraft u. unentwegt die gerade Strasse, die zu ihm führt. Es wäre fein, wenn Sie die Nase des Typhon restaurieren würden. Ich bin schon jetzt voller Spannung u. hoffe, dass ich später einmal die Wirkung auf einer Photographie oder noch besser an einer Copie im Berliner Museum von Ihrer Hand selbst (!) ermessen kann. Das Liebste wäre meinem Herzen freilich, dass ich jetzt zu Ihnen hinauf auf die Akropolis wandern u. am Original nicht mit Ihnen studieren könnte. Wie froh u. heimisch würde ich mich jetzt in der Veilchenstadt der Athena fühlen, da ich so herzliche Freundschaft mir nahe wüsste. Warum bin ich Ihnen nur nicht im Winter schon bekannt u. vertraut geworden; es wäre so viel besser für mich gewesen. Doch ich will nicht hadern mit der T..che [Tyche??], sondern froh u. zufrieden sein, dass ich Sie kennen durfte just noch im allerletzten Moment. Ich war so sehr traurig, dass ich Sie bei Ihrer Durchreise nicht wiedersehen u. sprechen durfte; es wäre eine herrliche Freude für mich gewesen. Konnten Sie nicht einen Tag in B. Rast machen? Das Telegramm kam erst am übernächsten Tage in meine Hände, weil ich Ihnen, wie ich meinte zur grösserer Sicherheit, in Wahrheit aber recht thöricht die Adresse meines Instituts und nicht meines // Amts Privat wohnung angegeben hatte, die ausserdem der Institutsdiener nicht kannte. Wann werde ich nun wohl wieder einmal die Gelegenheit haben, Sie zu sehen und zu sprechen? Ich habe meinen Freunden, namentlich der Malerin Frau Dr Plehn, viel von Ihnen erzählt, und sie ist sehr begierig, Sie kennen zu lernen. Ich bitte Sie schon jetzt herzlich u. dringend, in das Programm der neuen Heimreise einen längeren Aufenthalt in B. aufzunehmen. Ich war überrascht, dass Sie so schnell Heimat u. Familie wiederverlassen haben; Sie schreiben mir nichts darüber, aber ich darf doch zu meiner grossen Freude schliessen, dass Sie Ihren Gemahl wohl angetroffen und auch sonst sich alle Schwierigkeiten u. Wolken zerstreut haben – nicht wahr? Wann werden Sie nach Rom gehen und wie lange dort bleiben? Ach, ich darf meine Gedanken garnicht dorthin lenken; zu heiss quillt’s dann im Herzen auf von Glück u. Weh zugleich – beides ist dahingeraubt, auch der Schmerz, und ich vermag es, ruhig zurückzudenken, aber ich weiss doch bestimmt, dass mein Leben ruiniert ist, das an der Seite der Toten ruhig u. friedlich u. gut verlaufen wäre und jetzt ohne ihre sichere Stütze u. Führung schwankt und irregeht. Grüssen Sie die ewige Roma, wenn Sie Gianicolo oder Monte Pincio hinschauen über sie, von einem, der immerdar eine heisse, brennende Sehnsucht nach ihr im Herzen trägt und dürstet, sie // zu stillen. Aber noch vorher – alle meine Grüsse der Stadt u. Burg der eulenäugigen Athena Göttin! Es war so trüb u. kalt im Winter dort; jetzt strahlt der Himmel schon längst wieder in seinen tiefenst Blau u. die Sonne brennt bereits auf leere, staubige Stoppelfelder draussen in der attischen Ebene – ist es nicht so? Grüssen Sie alles, alles von mir – nur nicht die Menschen, mit Ausnahme etwa von Curtius, falls Sie ihn sehen. Der arme Professor! Wenn Sie nicht schützend über ihn wachen und ihn vor den athenischen Gustros retten konnten, hat er das Bein gebrocken: wie wird das teure Vieh noch enden! Ob ich ihn wohl wiedersehe, wenn ich über’s Iahr von neuen in Hellas einkehre? Haben Sie Gelegenheit, Curtius zu sprechen, so bitte ich Sie recht sehr, in an den von mir in Tiryns ausgegrabenen Schädel u. sein Versprechen zu erinnern, dass er mir das kostbare Kleinod, gut verpackt, hierher schicken wollte; es liegt mir sehr viel daran. Ich fange morgen an, die von mir gestohlenen Griechenköpfe zu messen und zu untersuchen, und bin voll grösster Spannung, was sie mich lehren werden. Es ist so furchtbar nett von Ihnen, gnädige Frau, dass Sie so lebhaft und herzlich für mich bei den Athenern eingetreten sind; Sie können nicht wissen, wie sehr ich Ihnen dankbar bin, nicht für die versuchte u. doch sicherlich resultatlose „Ehrenrettung“, sondern für die herzliche, wahre Freundschaft, die Sie mir darin documentieren. Sie ist mir ein so lieber, sicherer Besitz geworden, dass ich tiefer Schmerz empfinden würde, sollte die so schnell u. eigenartig geschlossene einmal erkalten. Wahrhaftig, niemand weiss besser als ich, welch ein köstliche Ding ein gutes, treues, warm empfindendes Frauenherz ist; es ist Schönste u. Höchste, und der kann niemals ganz unglücklich sein u. bleiben, dem die Freundschaft einen Platz darin gewährt. Für mich bedeutet es Unendliches; Sie ahnen das vielleicht kaum. Ich kenne keinen tieferen u. besseren Einfluss auf mich. Wären Sie immer hier u. könnte ich oft zu Ihnen kommen, Ihnen verplaudern, mir bei Ihnen Rats erholen – glauben Sie mir, ich würde besser u. sicherer durch’s Leben gehen. Leben Sie wohl für heute u. schenken Sie mir, bitte, bitte bald wieder ein paar Zeilen. Mich interessiert ja alles, was in Athen geschieht und was Sie thun u. wie Sie leben. Ich will noch hinzufügen, dass ich mir in Wilmersdorf bei Berlin mit einen Freund zusammen eine eigene Wohnung gemietet u. eingerichtet habe und hoffe, hier gut zu hausen, zu arbeiten u. mich wohl zu fühlen – auch ohne Professur! Ich grüsse Sie mit vielen herzlichen Grüssen
immer Ihr Max Kiessling. N.B. Mich drückt noch immer meine Schuld!
Oversættelse:
Wilmersdorf ved Berlin den 1. juni 1905.
Motzstr. 51
Kære, nådige frue, hvis De blot vidste, hvor mærkeligt det føltes for mig at modtage så kærlige og hjertelige ord netop fra den græske hovedstad, hvorfra jeg jo ikke kan forvente andet end fuldstændig ligegyldighed eller bitter modvilje og foragt! Men Deres kære brev har således givet mig dobbelt og inderlig glæde, dels fordi De er forfatteren, dels fordi det kommer fra Athen. Mange, mange tak, og lad mig straks her tilføje en bøn om, at De endnu en gang vil ofre en ledig aftenstund på mig og, om end det kun er lidt, skrive fra og om Hellas.
Selvom jeg måske har lidt megen bitterhed og hård smerte dernede, er halvdelen af mit hjerte alligevel blevet tilbage i den stille Phidiasstrasse. Det har jeg virkelig mærket, da Deres kære linjer overraskede mig og fyldte mig med en stille vemod, længsel og næsten med misundelse over for Dem. Da gik der en blid og varm følelse gennem min sjæl, og jeg fornemmede, hvor stor og dyb en kærlighed til dette land jeg har taget med mig hjem. Og sådan føler jeg det igen og igen, når jeg en stille nat sidder i mit værelse og overvejer en forelæsning til den næste dag; da bliver det uudholdeligt trangt for mig i huset, og en ny, umættelig handlingslyst, en brændende rejselyst // får mit ansigt til at gløde som ild. Om det mon en dag vil lykkes mig at skabe et værk ud fra sådanne stærke, overvældende følelser, et værk, der er uværdigt for de steder, hvor den frie menneskelighed har frembragt så herlige, højeste kunstblomster, at vi, der er født senere, uendeligt beruses af dem og længes efter dem? Jeg mener, at netop sådan en kærlighed er den nødvendige forudsætning for et sådant værk – ikke længere den lampelugtende lærdom; entusiasmen skal lede pennen og inspirere de kølige, nøgterne tanker og studiet; men heller ikke kærlighed og begejstring er nok i sig selv, hvis ikke streng selvdisciplin samler alle kræfterne.
Og netop det har jeg indtil nu, siden jeg vendte hjem, endnu ikke været i stand til. Dernede var jeg fri og fuld af kraft og energi, og i bjergenes friske luft og ensomhed var der intet, jeg ikke kunne overvinde. Men her i B. strømmer livets strøm så voldsomt og brølende, at det næsten ikke lykkes styrmanden at undslippe dens hvirvler. Lidenskaber, menneskelige, alt for menneskelige, rammer sejlet med voldsom kraft, og jeg kæmper og kæmper – ak, endnu forgæves – for at nå den stille, grønne eng ved bredden, hvor jeg kunne sidde og tænke og skabe.
Der er De den lykkeligere og stærkere. De kender ikke blot Deres mål, De går også fuld af kraft og uafbrudt ad den lige vej, der fører derhen. Det ville være dejligt, hvis De restaurerede Typhons næse. Jeg er allerede nu fuld af spænding og håber, at jeg senere en gang kan vurdere virkningen på et fotografi eller endnu bedre på en kopi i det berlinerske museum, udført af Deres egen hånd (!). Det, der naturligvis ville glæde mit hjerte mest, ville være, at jeg nu kunne vandre op til Dem på Akropolis og studere originalen sammen med Dem. Hvor glad og hjemmevant ville jeg ikke føle mig nu i Athenas violby, når jeg vidste, at jeg havde et så hjerteligt venskab tæt på mig. Hvorfor blev jeg dog ikke allerede kendt og fortrolig med Dem i vinter; det ville have været så meget bedre for mig. Men jeg vil ikke klage over T..che [Tyche??], men være glad og tilfreds med, at jeg fik lov at lære Dem at kende netop i aller sidste øjeblik.
Jeg var så ked af, at jeg ikke fik lov at se Dem igen og tale med Dem under Deres gennemrejse; det ville have været en herlig glæde for mig. Kunne De ikke have taget en dags pause i B.? Telegrammet nåede først frem til mig to dage senere, fordi jeg – som jeg troede var for større sikkerhed, men i virkeligheden ret tåbeligt – havde angivet adressen på mit institut og ikke på min // private bolig, som instituttets tjener desuden ikke kendte. Hvornår får jeg mon igen lejlighed til at se Dem og tale med Dem? Jeg har fortalt mine venner, især maleren fru dr. Plehn, meget om Dem, og hun er meget ivrig efter at lære Dem at kende. Jeg beder Dem allerede nu hjerteligt og indtrængende om at indlægge et længere ophold i B. i programmet for Deres næste hjemrejse. Jeg var overrasket over, at De så hurtigt har forladt hjemmet og familien igen; De skriver intet om det til mig, men jeg må alligevel til min store glæde konkludere, at De har fundet Deres ægtemand i god behold, og at alle vanskeligheder og skyer ellers også har spredt sig – ikke sandt? Hvornår tager De til Rom, og hvor længe bliver De der? Åh, jeg tør slet ikke lade mine tanker vandre derhen; for da veller det alt for hedt op i mit hjerte af både lykke og sorg – begge dele er forsvundet, også smerten, og jeg formår at tænke tilbage med ro, men jeg ved dog med sikkerhed, at mit liv er ødelagt, et liv, der ved den afdødes side ville have forløbet roligt, fredeligt og godt, og som nu uden hendes sikre støtte og vejledning vakler og farer vild. Hils den evige Roma, når De kigger ud over Gianicolo eller Monte Pincio, fra en, der altid bærer en brændende, lidenskabelig længsel efter hende i hjertet og tørster efter at // slukke den. Men først – alle mine hilsener til byen og fæstningen til den ugleøjede gudinde Athena! Det var så overskyet og koldt der om vinteren; nu stråler himlen for længst igen i sit dybeste blå, og solen brænder allerede på tomme, støvede stubmarker ude på den attiske slette – er det ikke sådan? Hils alt, alt fra mig – bare ikke menneskene, med undtagelse måske af Curtius, hvis De ser ham. Den stakkels professor! Hvis De ikke kunne våge beskyttende over ham og redde ham fra de athenske Gustros, har han brækket benet: hvordan skal det kære dyr dog ende! Mon jeg nogensinde ser ham igen, når jeg om et år igen kommer til Hellas?
Hvis De får lejlighed til at tale med Curtius, beder jeg Dem meget om at minde ham om den kranium, jeg har udgravet i Tiryns, og om hans løfte om, at han ville sende mig det kostbare skat, godt pakket, herhen; det ligger mig meget på sinde. I morgen begynder jeg at måle og undersøge de græske hoveder, jeg har »stjålet«, og jeg er fuld af spænding over, hvad de vil lære mig.
Det er så utroligt venligt af Dem, kære frue, at De så livligt og hjerteligt har taget min sag op over for athenerne; De kan ikke ane, hvor taknemmelig jeg er over for Dem – ikke for det forsøgte, men sikkert resultatløse »æresredning«, men for det varme, ægte venskab, De derved viser mig. Det er blevet en så kær og sikker ejendom for mig, at jeg ville føle dyb smerte, hvis det, der så hurtigt og på en ejendommelig måde blev knyttet, en dag skulle køle af. Sandelig, ingen ved bedre end jeg, hvor kostbar en god, trofast og varmhjertet kvindehjerte er; det er det smukkeste og højeste, og den, som venskabet giver plads i, kan aldrig blive og forblive helt ulykkelig. For mig betyder det uendeligt meget; det kan De måske næppe forestille Dem. Jeg kender ingen dybere og bedre indflydelse på mig. Hvis De altid var her, og jeg ofte kunne komme på besøg hos Dem, sludre med Dem og søge råd hos Dem – tro mig, så ville jeg gå bedre og mere trygt gennem livet.
Farvel for i dag, og skriv venligst, venligst snart et par linjer til mig igen. Jeg interesserer mig jo for alt, hvad der sker i Athen, og hvad De laver, og hvordan De lever. Jeg vil endnu tilføje, at jeg sammen med en ven har lejet og indrettet en egen lejlighed i Wilmersdorf ved Berlin, og jeg håber at kunne bo godt her, arbejde og trives – også uden et professorat! Jeg hilser Dem med mange hjertelige hilsener
altid Deres Max Kiessling.
N.B. Min gæld tynger mig stadig!