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Anne Marie Carl-Nielsen

1915-07-15

Transskription

Zur Zeit: Kiel. Düsternbrooker Weg 16.

    1. 15.

Liebe Frau Nielsen,

	wir sind wirklich sehr betrübt dass Anne-Marie nun doch nicht kam! Ihr Eilbrief war mir hierher geschickt worden – ich telegraphierte sofort an Lola u Lea, da es zu spät schien um Anne-Marie zu schreiben. Lea hatte mir eigentlich hierher nachkommen sollen, aber nun bleibt sie, und freute sich auf Anne Marie’s Kommen! Dann hat die Absage uns Alle sehr betrübt, und ich bitte Sie ihr das zu sagen, zugleich mit vielem Dank für Ihre beiden lieben Briefchen! 
Dann aber möchte ich doch noch // bei Ihnen und Ihrem Manne anfragen ob Sie uns nicht später doch die liebe kleine Pige schicken wollen?
Ich weiss nicht recht welche Ihre Befürchtungen sind? Frau Professor Hertzsprung reist ganz ruhig zwischen Deutschland u. Dänemark hin und her (sie will Sie gern besuchen wenn sie das nächstemal nach Kopenhagen kommt.) Vielleicht bringen Ihre Zeitungen irgend welche irrtümliche Berichte über Reise- / Schwierigkeiten? Wir wissen hier auf unserer Seite nichts davon. Aber // vielleicht finden Sie auch noch irgend eine Begleitung für Anne-Marie?
Uns wird ihr Kommen jeder Zeit eine grosse Freude – es ist uns so lieb dass sie sich wirklich herzlich an uns angeschlossen hat, und gerade in dieser Zeit sollten Mitglieder verschiedener Nationen doch ihre alten Freundschaftsbeziehungen möglichst pflegen u. aufrecht erhalten. 
         Wenn Annemarie in August käme, oder im September und auch Fanny wieder da, das wäre ja sehr hübsch, und ich bin dann auch wieder da – sollte aber der Krieg noch lange dauern so würde ich von Oktober ab nach Kiel ziehen, also wäre es sehr gut wenn Annemarie // vorher kommen könnte! 
Wir hoffen sehr es kommt noch dazu, wir wünschen es Alle sehr 
Herzlich Ihre getreue 

	Lili duBois-Reymond

Ich muss den Brief über Potsdam schicken, weil ich Ihre neue Adresse nicht bei mir habe.

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