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Anne Marie Carl-Nielsen

1921-01-21

Transskription

Plön – Eu..aion

Liebe Frau Nielsen,
		    ich habe eine sehr grosse Freude über Ihre Karte gehabt, denn wir hatten seit mehreren Jahren nichts mehr von Ihnen gehört! Auf mehrere Karten u. einen Brief, den ich Ihnen durch eine nach Kopenhagen reisende Bekannte persönlich an Ihre Wohnung bringen liess, war keine Antwort erfolgt und so musste ich auch das Schreiben aufgeben, was mir wirklich sehr weh tat! Um so mehr erfreut es mich doch wieder von Ihnen zu hören – aber wie war das denn nun? Hatten Sie öfter geschrieben u. wir nur nichts erhalten? Meine Nachrichten müssen Sie doch erhalten haben, da Sie meine jetzige Adresse wussten? Nun, jedenfalls ist der Faden wieder angedreht und das ist die Hauptsache, aber nun wäre es sehr lieb wenn Sie etwas ausführlicher schreiben und von sich, Ihrer Arbeit und Ihrer Familie erzählen wollten! 
Also beide lille Pigen verheirathet? Etwa auch schon Mütter? Nehmen Sie unsere herzlichsten Glückwünsche dazu. Sind die jungen Paare in Ihrer Nähe? // Bei uns hat die Jüngste, Lea, angefangen. Sie hat im vergangenen Oktober einen jungen Theologen geheirathet u. das junge Paar lebt uns nahe, in Hamburg, im Hause der Schwiegereltern. Weihnachten hat sich noch unser Sohn Felix verlobt mit einer sehr begabten jungen Schauspielerin. – Wir sind ganz zu Bauern geworden, Fanny besorgt unser sehr grosses Grundstück, wunderschön am Plöner See gelegen / Lola betreibt abwechselnd Politik (als Sekretairin von Minister Simons) u. Hühnerzucht. – Sommerfeste im Wald werden wir wohl nicht mehr geben, wir sind sehr arbeitsame u. ernsthafte Leute geworden. Feste sind – wie so Vieles – ein Ding der Vergangenheit geworden. Aber im Sommer ist es sehr schön bei uns, und wenn Sie einmal herkämen es ansehen, so wäre es uns eine grosse Freude. Ginge das nicht – es ist doch so nah? Wir könnten von Griechenland und Ancy reden und uns in unsre Jugend zurück träumen! Wie war es schön damals! – Jetzt haben wir einen ziemlich schweren Kampf um’s dasein, aber wir kämpfen ihn tapfer u. lassen nicht die Hoffnung sinken! – Zum Sommer will ich ein paar junge leütchen als Pensionmieteren hernehmen, die ich in Sprechen unterrichten will u. die bei der leütchen Gartenbau u. Hühnerzucht lernen wollen. Ausserdem baden, bootfahren u. es gut haben, und zu ordentlichen Menschen erzogen werden, wie es mir mit den eigenen Kindern gelungen ist. Wenn sie nette leütchen kennen die dazu Lust haben schicken Sie sie uns! – Und erzählen Sie, bitte, was Sie in dieser Zeit gearbeitet haben. Ist das grosse Königsdenkmal fertig? Und was hat Ihr Mann geschaffen? Mit herzlichen Grüsse von uns Allen  [i højre margen:] Ihre Lili duBois-Reymond 

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