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Anne Marie Carl-Nielsen

2026-07-27

Transskription

Blasewitz 27 Juni

Liebe verehrte Frau Nielsen

So sehr es uns auch freute von Ihnen einen Gruß zu erhalten war es uns doch sehr leid daß Sie diesen vom Krankenbett sagten, nun sind wieder Wochen darüber hingegangen & ich hoffe sehr die schöne Frühlingszeit hat auch Ihnen wieder alle Gesundheit gegen & Sie können wieder froh Ihrer Arbeit leben / freilich wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie nur auf einer / Karte sagen würden ob dieses Hoffen, Wirklichkeit geworden & Sie wieder ganz gesund sind. Ihre Grüße an Prof. Treu habe ich ausgerichtet & auch alle samtligen Aufträge, Treu & mein Mann wollen Ihnen aber persönlich Antwort sagen. Treu hat oft Sorge um seine Frau, die oft leidend, auch im Augenblick quält sie eine Darmleiden & eine Muskelentzündung & liegt sie seit 2 Wochen wieder zu bett, heut soll es etw [!] besser sein & Morgen ein Aufstehversuch gemacht werden. Meinem Mann geht es gut, er steckt mit aller / Frische in der Arbeit & hat manche neue Pläne & Neugestaltungen für seine Museen im Sinne im Augenblick sind förmlich die Hände gebunden. Die Mädchen sind fleißig & suchen in jeder Weise ihre Künste zu entwickeln & sorgen sie für Haus / Hof & Garten, alle drei wollen Ihnen besonders empfohlen sein. Mary sah in Berlin Ihren Buben & war ganz hingerissen, sie hatte zu erst garnicht gelesen daß es Ihre Arbeit & stand voll Bewunderung davor & etwas Bekanntes h…elte sie dabei noch so besonders an, bis ihr das Rätsel gelöst, sie Ihren // Namen entdeckte. Mir ist es weniger gut gegangen, schon seit dem Winter, ein Augenleiden hat sich beigestellt & schwerer als ich ahnte, ich bin in Behandlung bei einem Berliner Arzt, aber ich glaub schließlich wird eine Operation nicht zu umgehen sein. Lesen & all dergleichen kann ich nicht & entbehre sehr & muß nun lernen ein ganz beschauliches Leben zu führen & die leichten Arbeiten im Hause zu führen, jetzt hilft das schöne Wetter mir über Vieles weg, im Garten ist Alles so üppig & herrlich & die Ruhe in demselben hat mir sehr gut getan & die heftigen Kopfschmerzen gemildert, wenn // mein Mann sich freimachen kann wollen wir Mitte Juli ins Erzgebirge, in unsere Mühle & freuen uns sehr darauf, der Spätsommer bringt dann den Mädchen unse[re] klein[e] Ausflüge nach Süddeutschland & im nächsten Frühjahr hoffen wir wieder auf eine Fahrt nach Italien, bis an de Seen war ich im Frühjahr mite Marz [!] um mich etwas zu erholen, es war leider kalt, aber doch herrlich schön & hat alle Sehnsucht geweckt wieder dem Süden // zu zu pilgern. Nun sehr herzlichen Gruß von meinem Mann Ihnen & Ihren Herrn Gemahl an aller Herzlichkeit schließt sich diesen Grüßen zu

Ihre

         Constance v Seidlitz

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