Anne Marie Carl-Nielsen
1910-09-08
Transskription
En lille foret kuvert til brevet er indlagt. Med to frimærker og to poststempler på forsiden. På begge læses: ALTENBERG (ERZGEB). På det ene er datoen synlig: 8 9 10 5 – 6 ..
På bagsiden to poststempler: KJØBENHAVN … omb 9. 9. 10 V.
Udskrift:
Frau Anne Marie Carl Nielsen
Kopenhagen
Dänemark Vodrupswej 57
På bagsiden med anden hånd med meget lyst blæk:
altsaa
Netop
Carl Nielsen
Petersen skal være ordentlig! H… ham
Angermannsmühle Hirschsprung
b. Altenberg Erzgeb.
- IX. 1910
Sehr verehrte, liebe Frau Nielsen
Schon lange sollten Sie einen Gruss von uns haben und vielen Dank für Ihre so freundliche Karten. Wir alle freuen uns immer so sehr, wenn wir ein Lebenszeichen von Ihnen erhalten. Wie schön, dass es Ihnen allen so gut zu gehen scheint. Hoffentlich haben Sie noch recht schöne, erholende Wochen auf dem Gut am Meer gehabt. –
Wir sind seit 5 Wochen auf // unserer Mühle, die Eltern Ebba und ich und unsere Schwägerin mit dem kleinen einjährigen Reneli. Dies kleine Menschen Kind bildet natürlich den Mittelpunkt im diesjährigen Sommerleben und macht uns allen sehr viel Freude. Am nettesten ist es, wenn es an warmen, sonnigen Tagen splitternackt auf der Wiese herumläuft, da muss ich immer an Ihren kleinen Bacchusknaben denken, es strahlt dann in der gleichen Glüchseligkeit [!]. Sonst leben wir hier aber sehr still, wir // machen Saziergänge [!], es wird viel zusammen gelesen und auch viel gefaulenzt. Man lebt den ganzen Tag in der frischen Luft und Das [!] tut allen sehr gut. Mit Mama geht es ja sehr wechselnd, körperlich hat sie sich vielleicht gekräftigt, aber es kommen eher immer Zeiten, wo sie die ganze Trostlosigkeit ihres Leidens schwer empfinde. Man muss eben nur auf die Zeit hoffen, die vielleicht allmählich daruber hinweg hilft. Seit gestern ist Mamas älteste Schwester aus Petersburg hier, die wie zehn Jahre nicht gesehen hatten und morgen // erwarten wir unseren Bruder, der vom Geolog-Congress in Stockholm zurückkommt. Beides ist für Mama eine grosse Freude und lässt für ein Zeitchen alles Schwere ein bischen vergessen. Wie herrlich wäre es, wenn wir Sie doch wieder mal bei uns sehen könnten, haben Sie nicht im Herbst eine Reise nach Deutschland vor. Und dann müssten Sie doch eine von Ihren Töchtern mitbringen, wir würden uns zu sehr freuen. Aber das geht wohl garnicht, Ihre Töchter haben ja alle ihre bestimmte, ernste Arbeit, und das ist doch das // Schönste was man haben kann, und ich kann mir denken, wie man dann garnicht wegwill. Aber schön wäre es. – Für Ihre freundliche Aufforderung Sie in Kopenhagen zu besuchen, muss ich Ihnen auch noch sehr danken. Dass ich sehr, sehr gern mal zu Ihnen käme, muss ich Ihnen schon sagen, und dann würde ich auch all die Ihren kennen lernen. Vorläufig dürfen wir aber garnicht daran denken; denn wir waren im letzten Jahr so viel auf Reisen und ausser dem Haus, // dass wir nun ein bischen häuslich sein müssen. Aber vielleicht ein anderes Mal. Nun jährt es sich bald, dass Ebba bei Ihnen war; sie denkt ja so schrecklich gern an diese Tage zurück. Sie trägt mir auch auf, Sie und die Ihrigen alle sehr zu grüssen. Von Mary hören wir oft und nur Gutes, es geht ihr, dem Jungen und dem Mann sehr gut. Zum Reisen war Wolfgang noch ein bischen zu klein, und so müssen wir uns auf ein Wiedersehen noch ein bischen gedulden. – Papa ist seit 8 Tagen in // Brussel zur Ausstellung. Die kunsthistorische Abteilung soll sehr interessant sein. Letzten Sonntag besuchten uns Familie Lehrs. Man ist es garnicht mehr gewohnt, sie so frisch und guter Dinge zu sehen. Auch der Sohn hat sich nach seiner schweren Krankheit recht erholt und scheint jetzt viel frischer ins Leben zu blicken. Nächster Tage kehren wir nun auch wieder nach Blasewitz zurück und dann muss man sich so allmählich für den Herbst u Winter einrichten. Mama grüsst Sie sehr herzlich und Ebba und ich auch. //
Es gedenkt Ihrer in warmer Verehrung und Freundschaft
Ihre ergebene
Sophie vSeidlitz