Anne Marie Carl-Nielsen
1903-11-10
Transskription
Milet 10/XI 03
(adr. Post Smyrna)
Meine hochverehrte gnädige Frau
Sie können Sich gewiß denken, welche grosse Freude Sie mir mit der Uebersendung der drei Typhonphotographien gemacht haben! Ich bin ganz entzückt von Ihrer Arbeit, sie ist in jeder Hinsicht getreu und wird in ihrer absoluten Zuverlässigkeit auch dem Auge des strengsten Archaeologen siegreich stand halten. //
Mit besonderer Liebe habe ich natürlich bei dem dritten Kopf geweilt. Ausgezeichnet gut ist er gelungen. Und die Art wie Sie ihn aufgesetzt haben ist nicht minder wirksam, kurz, ich bin glücklich dass die europäische Museen die Aussicht haben, sich das herrliche Ungetüm bald in Gipsabguss zu erwerben. Ich möchte sehr gern // recht viele Museen darauf aufmerksam machen. Wenn Herr Dr Schrader nicht schon nach Berlin darüber berichtet hat, so schreiben Sie mir doch bitte einige Zeilen, wieviel ein ganzer Abguss kosten würde und ob es gefärbte und ungefärbte Exemplare giebt & wie die Preis diffenrenz [!] sein würde. Ich werde dann einen ausführlichen Bericht nach Berlin senden.
Ich finde die Typhongruppe so famos, dass ich wünschen möchte, Ihr Mann möchte eine Typhonische // Symphonie componieren. Blitz, Hagel, Donner und Sturmesbrausen und das Grollen feuersprühender Berge müssten darin entfesselt werden. Ich habe so sehr bedauert, dass wir Sie nicht auch in Cospel begrüssen konnte, Als Dr L. Gatte da war. Bitte grüssen Sie ihn herzlich von mir. Meine Frau ist nun nach Deutschland gereist & ich gehe vielleicht Weihnachten auch hin. Ich bleibe, voller Bewunderung für Sie, gnädige Frau, und Ver bleibe [!] Ihr
aufrichtig ergebener & dank-
barer
Th Wiegand